06Oktober

Ebook Reader sind alle gleich


Lesefreude gepaart mit zunehmendem Platzmangel sorgte schon seit geraumer Zeit für ein Problem. Die Lösung in Form eines Ebook Readers erschien mir daher genau richtig. Auf in die Hamburger Innenstadt zu einer Filiale eines großen Fachgeschäftes, das mit einem Werbeslogan schon seit Jahren die Frage aufwirft, wie viel an Service gespart werden kann.

Mein Serviceerlebnis begann an einem Samstag unmittelbar nach Öffnung der Filiale. Drei Mitarbeiter standen am Fuß der Rolltreppe, beachteten mich aber nicht. Ich begrüßte sie freundlich und sagte, dass ich mich über Ebook Reader informieren möchte. Der jüngste Verkäufer geleitete mich sogleich in einen Gang mit allerlei Auswahl. Als er sich wieder davonmachen wollte, sagte ich, dass ich eine Beratung benötigte.

„Ich werde noch angelernt,“ sagte er, machte aber Anstalten mich zu beraten. Da ich vorher im Internet schon einiges über Ebook Reader gelesen hatte und nun eine fachmännische Beratung bevorzugte, fragte ich ihn, wer sich denn auskenne.
„Mein Kollege dort drüben.“
„Ob Sie ihn wohl holen könnten?“
„Gern.“

In der Zwischenzeit lies ich meinen Blick über die etwa 40 ausgestellten Ebook Reader gleiten. Alle waren komplett auf der Oberfläche mit Fingerabdrücken verschmiert. Sonderbar, da ich der erste Kunde am heutigen Tage war.

Der noch anzulernende Verkäufer kam zurück und überraschte mich:
„Also, die Akkulaufzeit ist bei allen zwei Wochen. Sie sind alle gleich. Also der hier ist ein bisschen schwerer und hat eine andere Form, aber sonst gibt es keinen Unterschied.“
„Das ist nicht Ihr Ernst, oder?“
„Warum?“
„Es gibt sicherlich mindestens zehn verschiedene Kriterien, in denen sich diese 40 Ebook Reader unterscheiden. Sie glauben doch nicht, dass ich mein Geld hier bei Ihnen lasse, wenn Sie nicht in der Lage sind, mich zu beraten. Schönes Wochenende.“

Die "5-Minuten-Analyse"
  • Wenn ein Verkäufer, auch in der Anlernphase, noch nicht begriffen hat, dass er da ist, um Kunden die Verschiedenartigkeit von Produkten zu erläutern, dann ist er in seinem Job falsch.
  • Wenn ein erfahrener Kollege einen anzulernenden Verkäufer zu einem Kunden zurückschickt, der ausdrücklich nach ihm verlangt hat, um ihn dann mitteilen zu lassen, dass sich 40 verschiedene Produkte nicht voneinander unterscheiden, dann ist er schon seit Jahren falsch in seinem Job. Hoffentlich nimmt der anzulernende Verkäufer sich diesen Kollegen als schlechtes Beispiel.
  • Verschmierte Produkte sind ekelhaft. Verschmierte Produkte unmittelbar nach Öffnungszeit zeigen, wo ein Unternehmen spart. Gerade Produkte, die man auf der Couch oder gar im Bett verwendet, sollten sauber sein.
  • Positiv ist mir bei allem dennoch aufgefallen, dass der anzulernende Verkäufer sich als solcher vorgestellt hat.

Posted in Schlechter Service, Servicewüste

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